Mute dem Surround Sound

Ob Alleinsein früher leichter war, weiß ich nicht. Heute ist Nicht-Alleinsein jedenfalls sehr leicht. Und damit meine ich nicht Telefonfreundschaften oder Internetbekanntschaften. Ich meine Alleinsein mit den eigenen Gedanken. Denn heute gibt es ständig verfügbares Entertainment – Berieselung, wie meine Mutter es nennt.night-television-tv-theme-machines_Bildnachweis nicht nötig

Wer nicht mit seinen Gedanken allein sein will, muss es nicht: Man kann sich ablenken lassen. Was heute vielleicht schwerer ist als je zuvor, ist, sich zu überwinden, mit seinen Gedanken alleine zu sein. Eben weil es überall und jederzeit Ablenkung gibt. Sich und seine Gedanken auszuhalten, kann eine Herausforderung sein. Es mit sich selbst auszuhalten, kann anstrengend sein und unangenehm.

Hält man es mit sich selbst aus, kann man vieles aushalten. Und das zu schaffen lohnt sich, finde ich: Man wird geduldiger, gelassener. Ich fuhr neun Jahre mit dem Zug zur Schule. Oft zugfahren bedeutet oft warten. Oft warten macht geduldig. Während meines Studiums arbeitete ich drei Jahre an der Kasse einer Diskothek. Auch dieser Zeit (hauptsächlich der Zeit nach dem großen Ansturm am Einlass) verdanke ich eine Art von Geduld: ohne Ablenkung auskommen und einfach warten. Ich glaube, dadurch bin ich heute insgesamt geduldiger als noch vor wenigen Jahren.
Dennoch habe ich nicht die Erleuchtung erfahren – auch ich lasse mich gern berieseln. Im Auto höre ich gerne Musik (und singe dazu laut mit, wenn ich alleine fahre :-)) und ich schaue fern, wenn ich daheim allein esse. Das ist in meinen Augen auch nicht grundlegend schlecht – es kommt einfach darauf an, wie man Berieselung benutzt. Mir persönlich hilft es, mich in Geduld zu üben und es mit mir selbst auszuhalten: So übe ich, mich schneller zu entspannen, wenn ich mich ärgere. Das Ergebnis fühlt sich gut an.

Aber: Geduld will trainiert werden. Das ist unangenehm. Und da sind wir wieder: Es ist unangenehm, es mit sich selbst auszuhalten. Ich kann nur sagen: Für mich lohnt es sich, den Ton ab und an stumm zu stellen und nur meinen Gedanken zu folgen. Wer es auch probieren will: Ein guter Einstieg ist, den Fernsehton während der Werbung zu muten 😉

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

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