Brückentag

Ein Mehrzwecktag voller Möglichkeiten

Laut Duden hat der Brückentag die Bedeutung „zwischen zwei arbeitsfreien Tagen, etwa einem Feiertag und dem Wochenende, liegender einzelner Arbeitstag, der sich besonders als Urlaubstag anbietet“. Dabei bietet sich ein Brückentag auch an, um auf der Arbeit Liegengebliebenes abzuarbeiten, die Ablage zu sortieren und Gedanken nachzuhängen.

Allein ≠ einsam

Der Brückentag hat einerseits diese Einsamkeit im Schlepptau, die sich angesichts der leeren Flure, der geschlossenen Bürotüren und der Abwesenheitsnotizen in automatischen Antwort-E-Mails wie Verlassen-worden-sein anfühlen kann. Andererseits bringt er eine Ruhe mit, die genau so gut ein angenehmes Alleinsein anbietet. Diese Ruhe eröffnet einen unerwarteten Raum für Gedanken und Gefühle, in dem wir unsere Bedürfnisse besser spüren können und in dem die Phantasie ihre Flügel ausbreiten kann. Vielleicht können wir ein bisschen von diesem magischen Raum, der sich am Brückentag zeigt, hinüber in die nächste Woche oder sogar in unseren Arbeitsalltag retten.

Lückenfüller? Lichtblick!

Einige (gefühlt: alle) Kolleginnen und Kollegen sind im Frei. Die Begegnungen mit denjenigen, die man am Brückentag trifft, sind dafür oftmals persönlicher und umso schöner.

Für mich verbindet der Brückentag das Zurückliegende und das Zukünftige, das Materialisierte und das Mögliche, gestern mit morgen – oder genauer gesagt: vorgestern mit überübermorgen. Ich genieße den Brückentag und freue ich mich auf den nächsten Montag. Und wenn man gerne zur Arbeit geht, ist das doch auch etwas wert.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Der feine Unterschied

Einmal vom Plateau über die Klimax zum Zenit und zurück.

Der Duden definiert

  • das Plateau als „Hochebene“ und „obere ebene Fläche eines Berges“
  • die Klimax als „Übergang vom schwächeren zum stärkeren Ausdruck, vom weniger Wichtigen zum Wichtigeren“
  • den Zenit als „Scheitelpunkt“ und als „[Zeit]punkt der höchsten Entfaltung, Wirkung; Höhepunkt“

Wenn wir ein Hochgefühl in Worte kleiden wollen, haben wir mannigfaltige Möglichkeiten. Was wir sagen, was wir meinen und was unser Gegenüber versteht, kann dabei auf unterschiedlichen Blättern stehen. Während der eine beim Zenit vor allem den höchsten Punkt im Blick hat und den Begriff positiv verwendet, sieht der andere vielleicht eher den unvermeidlichen Abfall danach, weswegen dieses Wort für ihn eher negativ schwingt.

Ein schmaler Grat

Naturgemäß sind wir immer auf der Suche nach der Steigerung unseres Vergnügens, nach dem nächsten Höhepunkt. Wir erklimmen ein Plateau, schlagen dort unsere neue Basis auf und wollen, der Klimax folgend, immer noch höher hinaus. Dabei ist dieser Weg aufwärts keine Einbahnstraße. Dass wir am höchsten Punkt, dem Zenit, angelangt sind, wissen wir erst, wenn es wieder abwärts geht.

Bleiben wir gedanklich beim Zenit, begeben uns aber metaphorisch von den Bergen ans Meer. Die Welle der Entzückung hinterlässt nach ihrer Brandung einen Sog, der uns womöglich den Boden unter unseren Füßen raubt und umwirft.

Wenn wir uns in Gedanken auf diesen Sog vorbereiten und nicht von der Welle mittragen lassen, können wir uns wappnen und womöglich unseren festen Stand behaupten. Allerdings können wir dann das schöne Hochgefühl der Welle nicht genießen. Chance und Risiko gehen Hand in Hand. Wir können die Chance auf einen Höhenflug nur dann wahrnehmen, wenn wir den Boden unter unseren Füßen verlieren und damit auch das Risiko (nicht die Gewissheit!) eingehen, unsanft zu landen. Es obliegt also unserer Haltung, unserer Einstellung, unserer Entscheidung, das mögliche Hochgefühl zugunsten eines Kontrollversuchs über eventuell eintretende negative Entwicklungen und dem Beharren auf vermeintlicher Sicherheit zu opfern. Anders gesagt: Wenn wir während einer positiven Situation ohne gegebene Notwendigkeit an mögliche zukünftige negative Entwicklungen denken, verwirken wir ein schönes Jetzt.

Perfekte Welle

Idealerweise gleicht unser Leben einer gleichmäßigen Sinusfunktion aus genau dem richtigen Maß an Abwechslung, Routine, Zerstreuung, Ruhe, Nervenkitzel und Entspannung. Tatsächlich aber variiert die Amplitude unserer Lebenslinie in ihrer Höhe und Ausdehnung unvorhersehbar. Selbst wenn wir eine Entwicklung wie eine Welle auf uns zurollen sehen, können wir ihr tatsächliches Ausmaß und wann sie bricht nicht mit Gewissheit vorhersagen. Mithilfe von Vermutungen versuchen wir, Vorhersagen zu treffen und (Planungs-)Sicherheit zu schaffen. Ich für meinen Teil bin gerne gut, aber am liebsten perfekt vorbereitet und für jede Eventualität gerüstet. Ungewissheit piekst mich, Kontrollverlust schmerzt mich. Vielleicht hilft es, meine Vorstellung von perfekt zugunsten von gut einzutauschen, ideal loszulassen und mich dafür auf optimal einzulassen.

Der Duden versteht unter optimal „(unter den gegebenen Voraussetzungen, im Hinblick auf ein zu erreichendes Ziel) bestmöglich; so günstig wie nur möglich“, kurz gesagt: das Beste im Rahmen des Möglichen.
Das kann manchmal vielleicht auch ganz schön wenig sein.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Carpe Momentum

Eine gute Entscheidung kann nur einen Münzwurf entfernt sein.

Wenn wir uns nicht entscheiden können, können wir eine Münze werfen, die uns die Entscheidung abnimmt. So die Theorie. In der Praxis kann uns niemand jemals eine Entscheidung abnehmen. Dabei verhält es sich ähnlich wie im Grundsatz „Man kann nicht nicht kommunizieren“, denn man kann auch nicht keine Entscheidung treffen. Selbst wenn die Münze Kopf zeigt, obliegt es uns, ob wir den Vorschlag annehmen. Die Entscheidung bleibt also bei uns.

Die Welt um uns bewegt sich, auch wenn wir verharren

Sinngemäß bezeichnet „Stillstand bedeutet Rückschritt“ das gleiche, wenn auch mit einem anderen Schwerpunkt. Es soll heißen: Die Welt dreht sich weiter, auch wenn sie für uns stillsteht. In jedem Moment unseres Daseins treffen wir Entscheidungen, fortwährend, ohne, dass wir uns dessen jemals entziehen könnten. Ebenso wie unser Herz jeden Moment unseres Lebens schlägt, treffen wir in jedem Moment unseres Daseins immerzu Entscheidungen. Wir entscheiden zu warten, loszugehen, zuzupacken, loszulassen, zu sprechen, zu schweigen, eine Veränderung anzunehmen oder Bestehendes fortzuführen.

Eine Entscheidung ist eine Entscheidung, Bewertung nicht nötig

Erkenntnisse lassen sich nur im Nachhinein gewinnen. Eine Bewertung wie „richtig“ oder „falsch“, „gut“ oder „schlecht“ ist bestenfalls in der Retrospektive möglich, aber auch dann nicht immer sinnvoll oder notwendig. Im Zuge einer kontinuierlichen Optimierung hängen wir, metaphorisch gesprochen, laufend Labels an Entscheidungen in der Hoffnung, daraus zu lernen und für die nächste, ähnlich aussehende Situation, die unseren Weg kreuzt, noch besser gewappnet zu sein als bisher.

Diese Labels wiegen uns in der trügerischen Sicherheit, Situationen und daran geknüpfte Dinge, Sachverhalte oder Emotionen einzuordnen und dadurch ein Stück besser damit umgehen zu können. Doch an jedem Label hängt eine Bewertung, die wir dem Sachverhalt, der Situation oder dem Gefühl geben. Dieser Wert, diese Bewertung, kann sich klar im Schwarz-Weiß-Schema befinden und beispielsweise „gut“ oder „schlecht“, „richtig“ oder „falsch“, „wahr“ oder „unwahr“ lauten. Es gibt aber auch Labels, die Schattierungen abbilden können. Zu jenen Schattierungen gehören auch komplexere Konzepte, deren Vielschichtigkeit wir, selbst wenn wir sie mit einem Begriff benennen, längst nicht in einem Wort gerecht werden können. Beispiele für Labels, die sich vom klaren Schwarz-Weiß lösen und etwas Interpretationsspielraum zulassen, sind „vorteilhaft“ und „wünschenswert“. Beide Begriffe benennen Konstrukte, deren Bewertung je nach Standpunkt variiert, Stichwort Relativtheorie. Streng genommen stecken auch hinter „richtig“ und „falsch“ komplexe Konstrukte und subjektive Wertevorstellungen, allein die Wortwahl suggeriert Objektivität. Hinter jedem Label, hinter jeder Bewertung liegen Wertevorstellungen und Glaubenssätze im Schützengraben, bereit, auf unsere Gedanken und unsere Gefühle zu feuern, wenn etwas nicht in ihr Raster passt.

Mehr als 0 und 1

Indem wir Situationen, Entscheidungen oder Verhaltensweisen Labels anhängen, bewerten wir sie. Jede Bewertung erfordert Energie, die wir an anderer Stelle einsetzen könnten. Für Achtsamkeit uns selbst gegenüber zum Beispiel. Anstatt unser Außen zu bewerten, könnten wir aufmerksam in uns hineinfühlen und ohne Bewertung oder Interpretation uns selbst wahrnehmen. Weg von „Ich bin schwach“ und hin zu „Ich verspüre Durst, meine Beine fühlen sich wackelig an“. Ist das nicht dasselbe? Mitnichten.

Wenn wir wahrnehmen, ohne zu interpretieren oder zu bewerten, lassen wir Raum. Raum für Eindrücke, Raum für Entfaltung, Raum für Entspannung. Diesen Raum können wir nutzen, um unsere Bedürfnisse wahrzunehmen (nicht zu bewerten!) und zu erfüllen, und so gut für uns selbst zu sorgen. Sorgen wir gut für uns selbst, können wir auch nach außen mehr Raum geben. Raum für Menschen und Situationen, ihnen erlauben, so zu sein, wie sie es sind. Ganz ohne Bewertung. Im besten Fall bleibt dann auch Raum für uns selbst.

Jetzt fällt der Groschen

Und was haben Bewertungen mit einem Münzwurf und mit guten Entscheidungen zu tun? Niemand kann uns eine Entscheidung abnehmen, nicht einmal die kleinste Entscheidung. Und wenn sich eine Situation verändert und wir den Eindruck haben, dass uns diese äußere Veränderung die Entscheidung abgenommen hat, so haben wir doch selbst entschieden. Und sei es nur die Entscheidung, so lange zu verharren, bis sich Gegebenheiten verändern. Unabhängig davon bleibt es außerdem immer auch uns selbst überlassen, wie wir mit einer Situation umgehen. Niemand kann für uns entscheiden, ob wir uns freuen oder etwas genießen. Das können nur wir selbst entscheiden.

Des Pudels Kern

Eines meiner Lieblingsworte ist vielschichtig. Es deutet in meinen Augen auf die Komplexität, die den allermeisten Dingen innewohnt und aus vielen Mosaikteilchen besteht, von denen viele zu kantig für Labels sind. Selbst wenn Entscheidungen oftmals 1 oder 0, hop oder top, ein Ja oder ein Nein erfordern, so haben diese kurzen, geschlossenen Fragestellungen vielfach eine lange, gewundene Vorgeschichte, die lediglich in dieses Nadelöhr aus ja oder nein mündet, aber nicht darauf zu reduzieren ist. Trauen wir uns, uns zu entscheiden und schlüpfen wir durch das Nadelöhr, öffnen sich uns Türen, Fenster, gar Horizonte, eröffnen sich uns Möglichkeiten, Wege, gar Welten. Letztlich liegt die Entscheidung nur bei uns und das ist doch irgendwie auch tröstlich.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!